Julia Kandzora gewinnt mit dem Stück "In Neon"
den vierten Leonhard-Frank-Preis

Der Leonhard-Frank-Preis wird vom Mainfranken Theater in Zusammenarbeit mit der Leonhard-Frank-Gesellschaft verliehen. In der Langen Nacht der Autoren werden die drei Finalstücken dem Publikum in Form von szenischen Lesungen präentiert. Anschließend kürt die Jury das Siegerstück.

Das Thema der Ausschreibung zum vierten Leonhard-Frank-Preis lautete "Amok". Am 11. Juni 2010 wurden in den Kammerspielen des Mainfrankentheaters die Final-Stücke "In Neon" von Julia Kandzora, "burn motherfucker" von Jeanne Dark und "Frau Koma kommt" von Valentin Werner vorgestellt. Im Anschluss tagte die 5-köpfige Jury und vergab den Leonhard-Frank-Preis an die 27-jährige Autorin Julia Kandzoradas für ihr Stück "In Neon".

Aus der Pressemitteilung des Mainfrankentheaters:

Besonders überzeugte die Jury die sprachliche Präzision des Stückes und die psychologisch tiefgehende Gestaltung der Figuren. Amok ist in diesem Stück ein (Dauer-)Zustand der Gesellschaft, die Figuren stehen unter Hochdruck, man wartet nur darauf, dass sie endlich explodieren? aber das wäre vermutlich schon ein zuviel an Emotion in dieser von Einsamkeit und Orientierungslosigkeit geprägten Welt. „Ungeborgenheit“ nennt DER MANN im Stück diesen Zustand und fragt sich, wieder einmal vergebens auf dem Arbeitsamt wartend (Abteilung Akademiker und Schwerbehinderte), warum denn da keiner AMOK läuft. Und tut es auch selbst nicht. Hin und her gerissen zwischen seinem Freund, der sich längst in einen aus Selbsthilferatgebern und Zeitgeistbibeln gespeisten Zweckoptimismus gerettet hat, der Frau, die eine Art Näheverhältnis (Beziehung) aufzubauen versucht, aber an der Überwindung der Distanz scheitert, und einer körperlosen Stimme, die mit ihren existentiellen Fragen die Einsamkeit und Verlorenheit des Mannes nur noch deutlicher sichtbar macht.

Im Hintergrund scheinen Bilder auf, die man aus dem Alltag kennt: ein Mädchen vor dem Joghurtregal in absoluter Überforderung, sich für eine Sorte zu entscheiden und schließlich vor dem Obstregal daran scheitert, die Plastiktüte zu öffnen, um dann an der Kasse zu erkennen, dass das Gerät ihre Geldkarte nicht akzeptiert. Wie der einsame Hund, der immer wieder durch das Bild schleicht, werden diese kleinen Alltagsszenen symptomatisch für die Gesellschaft: eine Gesellschaft unter Hochdruck, die nur darauf wartet, zu explodieren.

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