Nacktes Leben
Leonhard-Frank-Preis 2011
Die Uraufführung des Gewinnerstücks 2011 war für den 16. Juni 2012 geplant. Das Stück wurde kurz vor der Premiere vom Spielplan genommen.
Ankündigung des Mainfrankentheaters Würzburg zur geplanten Uraufführung:

Nacktes Leben... oder... Bei lebendigem Leibe
Gewinnerstück des Leonhard-Frank-Preises 2011 von Paul M. Waschkau

Der Leonhard-Frank-Preis 2011 für Dramatikerinnen und Dramatiker, der unter dem Thema „Nacktes Leben“ in diesem Jahr bereits zum fünften Mal von dem Mainfranken Theater und der Leonhard-Frank-Gesellschaft vergeben wurde, geht an Paul M. Waschkau und sein Stück „Bei lebendigem Leibe“.

„Bei lebendigen Leibe“ ist eine dramatische Komposition aus 13 monologischen Fragmenten, welcher die radikale Monstrosität menschlichen Lebens zu Grunde liegt. Der Text zeigt erbarmungslos die Extreme auf, die sich Menschen zuzufügen bereit sind. Die Komposition umfasst Zeugenaussagen und Poesie, sie führt in Vernichtungslager, Kriegsgebiete, Kliniken und Arbeitsagenturen. Das „nackte Leben“ – also das entrechtete Leben – wird nicht auf eine Region oder einen aktuellen ‚Brennpunkt’ festgelegt, sondern es wird als ein Zustand verstanden, der grundsätzlich und jeder Zeit in das menschliche Zusammenleben einbrechen kann.

So ist „Bei lebendigen Leibe“ ein schmerzhafter Text, der wie in einem Zeitraffer die menschlichen Abgründe der letzten beiden Jahrhunderte bloßlegt. Wie grotesk diese Abgründe auch sind, der overkill an Grauen und Brutalität, der hier aufgezeigt wird, kann dabei durchaus zu einem Lachen führen, das allerdings halb im Halse stecken bleibt. In seiner Erbarmungslosigkeit spricht diese Komposition den Zuschauer direkt und als mündigen Menschen an, dem das Unerträgliche durchaus zuzumuten ist.

Der Autor Paul M. Waschkau lebt in Berlin und leitet seit 2006 die FORMATION INVASOR, die schwerpunktmäßig an Inszenierungen mehrsprachiger Textkompositionen arbeitet.
Erklärung des Mainfrankentheaters Würzburg zur Absage der Uraufführung:

"
NACKTES LEBEN... " entfällt

Das im vergangenen Jahr mit dem Leonhard-Frank-Preis 2011 ausgezeichnete Stück Nacktes Leben… oder… bei lebendigem Leibe von paul m waschkau wird nicht wie geplant am 16. Juni 2012 am Mainfranken Theater Würzburg zur Uraufführung gebracht. Unabhängig von der sprachlich-literarischen Qualität des Textes, abgesehen von der guten Inszenierungsarbeit von Dieter Nelle und der Intensität der Darsteller ist die Theaterleitung zu der Überzeugung gekommen, diese Produktion und diesen Text in ihrer verstörenden Gewalt dem Würzburger Publikum nicht „zumuten“ zu wollen. Den Begriff „Zumutung“ wendet der Autor selbst auf seinen Text an, um dessen ästhetisch-politische Härte zu kennzeichnen. Im Schauspielabo „Y“ steht stattdessen an den vorgesehenen Terminen Die Ermittlung von Peter Weiss auf dem Spielplan.
Theater im Gespräch "Gewalt auf der Bühne"
Diskussion zur Absetzung der Uraufführung von
"Nacktes Leben ... oder ... bei lebendigem Leibe"
(Gewinnerstück des Leonhard-Frank-Preises 2011)
durch das Mainfranken Theater Würzburg
Es diskutieren: Intendant Hermann Schneider; Autor paul m waschkau und Regisseur Dieter Nelle
Mo
17.12.2012, 19:30 Uhr
Ort: Mainfranken Theater
Oberes Foyer
97070 Würzburg
Eintritt frei
Ankündigungstext des Mainfranken Theaters:
Theater im Gespräch
"Gewalt auf der Bühne"

Im letzten Juni sorgte die Absage der Uraufführung des mit dem Leonhard-Frank-Preis ausgezeichneten Theaterstücks Nacktes Leben ... oder ... bei lebendigem Leibe von paul m waschkau am Mainfranken Theater nicht nur in Würzburg, sondern auch andernorts für Gesprächsstoff.
Ist der Text zu brutal, zu verstörend für das Publikum? Intendant Hermann Schneider diskutiert gemeinsam mit dem Autor und dem Regisseur Dieter Nelle die Frage, wie viel Gewalt den Zuschauern zugemutet werden kann. Wie sollte Gewalt auf der Bühne aussehen, wo liegen die Grenzen in der Darstellung und welche Verantwortung tragen dabei Autoren und Theatermacher?
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